Studium & Beruf
Eignungsprüfung Musik
Die Eignungsprüfung steht am Anfang fast jedes Musikstudiums. Sie prüft, ob die musikalischen Grundlagen für ein anspruchsvolles Studium ausreichen.
Zweck der Eignungsprüfung
Die Eignungsprüfung soll feststellen, ob Bewerberinnen und Bewerber die musikalischen, theoretischen und gehörbildnerischen Voraussetzungen für ein Studium mitbringen. Sie ist keine Schikane, sondern ein realistischer Maßstab dafür, ob ein erfolgreiches Studium wahrscheinlich ist.
Typische Bestandteile
- Vorspiel oder Vorsingen auf dem Hauptinstrument beziehungsweise in Gesang
- schriftliche oder mündliche Prüfung in Musiktheorie
- Gehörbildung mit Hörbeispielen, Intervallen, Akkorden und Rhythmen
- oft ein Nebeninstrument, häufig Klavier oder Gesang
- vereinzelt ein Gespräch zur Motivation und musikalischen Biografie
Instrument oder Gesang
Das Hauptfachvorspiel umfasst meist mehrere Werke unterschiedlicher Stilrichtungen. Erwartet werden eine sichere technische Basis, musikalische Gestaltung und Bühnenpräsenz. Welche Anforderungen genau gestellt werden, regeln die jeweiligen Hochschulen.
Musiktheorie und Gehörbildung
Geprüft werden in der Regel Tonleitern, Intervalle, Dreiklänge, einfache Kadenzen, rhythmische Diktate und das Erkennen einfacher harmonischer Verläufe. Eine kontinuierliche Vorbereitung über mehrere Monate ist üblich.
Typischer Ablauf eines Prüfungstages
Der genaue Ablauf unterscheidet sich von Hochschule zu Hochschule, folgt aber meist einer ähnlichen Struktur. Bewerberinnen und Bewerber sollten mit einem ganzen Prüfungstag rechnen, in einigen Fällen sogar mit zwei aufeinanderfolgenden Tagen.
- Anmeldung am Prüfungsort, Ausgabe von Ablaufplan und Raumzuteilung.
- Einspielzeit in einem Übe- oder Warteraum, oft zeitlich begrenzt.
- Hauptfachvorspiel oder Vorsingen vor einer Fachkommission, in der Regel 10 bis 20 Minuten.
- Vorspiel auf dem Nebeninstrument, häufig Klavier, mit kürzerer Dauer.
- Schriftliche Prüfung in Musiktheorie und Gehörbildung, meist 60 bis 90 Minuten.
- Mündliche Prüfung oder kurzes Gespräch mit der Kommission zu Motivation und musikalischer Biografie.
- Mitteilung des Ergebnisses, je nach Hochschule am selben Tag oder schriftlich innerhalb weniger Wochen.
Beispiele für Aufgabenformate
Die folgenden Beispiele sind typische Aufgaben, wie sie in vielen Eignungsprüfungen vorkommen. Sie sind keine verbindliche Vorgabe einer bestimmten Hochschule, sondern dienen zur Orientierung.
Hauptfach Instrument oder Gesang
- zwei bis drei vorbereitete Werke aus verschiedenen Stilepochen, zum Beispiel Barock, Klassik, Moderne
- technische Übung wie Tonleiter, Etüde oder Arpeggio
- im Gesang in der Regel ein Kunstlied und ein Stück freier Wahl, oft mit Klavierbegleitung
- kurzes Blattspiel oder Blattsingen
Nebenfach Klavier
- ein leichteres Stück, zum Beispiel aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach oder vergleichbares Niveau
- einfache Kadenz in mehreren Tonarten
- Begleitung eines einfachen Liedes nach Akkordsymbolen
Musiktheorie (schriftlich)
- Tonleitern und Vorzeichen bestimmen, etwa Dur- und Molltonleitern bis vier Vorzeichen
- Intervalle benennen und in Noten setzen
- Dreiklänge und Umkehrungen analysieren
- einfache Kadenzen in einer vorgegebenen Tonart aussetzen
- kurze Notentexte rhythmisch und melodisch analysieren
Gehörbildung
- Intervalle hören und benennen, melodisch und harmonisch
- Dreiklänge nach Geschlecht und Lage bestimmen
- rhythmisches Diktat über vier bis acht Takte
- melodisches Diktat in einer einfachen Tonart, meist mit kurzer Wiederholungszahl
- einfache harmonische Verläufe erkennen, zum Beispiel I-IV-V-I
Mündlicher Teil
- Fragen zur musikalischen Biografie und zum Hauptfach
- kurze Erläuterung der vorgetragenen Werke
- Motivation für das gewählte Studienfach und die angestrebte Schulform
Musteraufgaben mit Lösungsansätzen
Die folgenden Beispielaufgaben zeigen, wie typische Prüfungsfragen aussehen können und wie sich ein sauberer Lösungsweg aufbauen lässt. Jede Aufgabe ist mit einem Bewertungsraster versehen, das beispielhaft zeigt, worauf Prüfungskommissionen typischerweise achten. Die Punktwerte sind als Orientierung gedacht und werden von den Hochschulen individuell festgelegt.
Aufgabe 1: Intervall bestimmen
Frage: Bestimmen Sie das Intervall zwischen den Tönen c und as.
Lösungsansatz: Zuerst die Stammtöne zählen: c-d-e-f-g-a, das sind sechs Stufen, also eine Sexte. Anschließend die Halbtonschritte prüfen: von c bis as sind es acht Halbtonschritte. Eine reine Sexte hätte neun Halbtonschritte, eine kleine Sexte acht. Ergebnis: kleine Sexte.
Aufgabe 2: Dreiklang analysieren
Frage: Welcher Dreiklang liegt vor: a - c - e?
Lösungsansatz: Grundton ist a. Intervall a-c ist eine kleine Terz, c-e ist eine große Terz. Eine kleine Terz unten plus große Terz oben ergibt einen Mollakkord. Ergebnis: a-Moll-Dreiklang in Grundstellung.
Aufgabe 3: Kadenz aussetzen
Frage: Setzen Sie eine einfache Kadenz I-IV-V-I in F-Dur vierstimmig im Klaviersatz aus.
Lösungsansatz: Die Stufen sind F-Dur (f-a-c), B-Dur (b-d-f) und C-Dur (c-e-g). Im Sopran kann die Stimmführung c - d - c - c verlaufen. Beim Wechsel von V nach I den Leitton e in der Oberstimme nach f auflösen, die Septime auf der V. Stufe vermeiden und Quint- oder Oktavparallelen ausschließen.
Aufgabe 4: Rhythmisches Diktat
Frage: Notieren Sie einen vierttaktigen Rhythmus im 4/4-Takt nach Gehör.
Lösungsansatz: Zuerst den Grundpuls innerlich mitschlagen und Takte zählen. Beim ersten Hören die Taktschwerpunkte markieren, beim zweiten Durchgang Viertel und Achtel unterscheiden, beim dritten Durchgang Punktierungen und Pausen ergänzen. Notation immer in vollständigen Takten prüfen, ob die Summe stimmt.
Aufgabe 5: Melodisches Diktat
Frage: Notieren Sie eine achttaktige Melodie in G-Dur nach mehrfachem Vorspiel.
Lösungsansatz: Zuerst Tonart und Taktart sichern, dann den ersten und letzten Ton festhalten, oft Grundton oder Quinte. Anschließend Richtungsverlauf skizzieren: aufwärts, abwärts, Sprung oder Schritt. Bei jedem Durchgang einen weiteren Abschnitt vervollständigen, statt jeden Ton beim ersten Hören zu fixieren.
Aufgabe 6: Harmonische Verläufe erkennen
Frage: Welche Funktionen hören Sie in dieser viertaktigen Phrase?
Lösungsansatz: Auf den Basston achten, da er die Funktion meist eindeutig vorgibt. Tonika klingt stabil, Subdominante ruhig und etwas weicher, Dominante hat Spannung, oft mit Leitton. Typische Folgen wie T-S-D-T oder T-D-T zuerst als Hypothese prüfen, bevor seltenere Funktionen wie Tp oder Sp angenommen werden.
Aufgabe 7: Mündliche Frage zur Werkwahl
Frage: Warum haben Sie gerade dieses Stück für das Vorspiel gewählt?
Lösungsansatz: Eine gute Antwort verbindet musikalische und persönliche Argumente: stilistische Vielfalt im Programm, technische und gestalterische Herausforderungen des Stücks und eigene Auseinandersetzung mit Komponist und Werk. Kurze, konkrete Antworten wirken souveräner als allgemeine Floskeln.
Von Punkten zur Gesamtnote
In den meisten Eignungsprüfungen werden die Einzelleistungen zunächst in Punkten bewertet und anschließend gewichtet zusammengeführt. Das Hauptfach wiegt dabei in der Regel deutlich schwerer als Theorie, Gehörbildung oder Nebenfach. Die folgende Übersicht zeigt das übliche Vorgehen Schritt für Schritt.
- Pro Prüfungsteil werden die erreichten Punkte zusammengezählt und durch die maximal möglichen Punkte geteilt.
- Der Anteil wird in eine Teilnote umgerechnet, häufig nach der Notenskala 1,0 bis 5,0.
- Die Teilnoten werden mit einer festen Gewichtung multipliziert, zum Beispiel 50 Prozent Hauptfach, 20 Prozent Theorie, 20 Prozent Gehörbildung, 10 Prozent Nebenfach.
- Die Summe der gewichteten Teilnoten ergibt die Gesamtnote der Eignungsprüfung.
- Viele Hochschulen legen zusätzlich Mindestnoten in einzelnen Bereichen fest, häufig 4,0 im Hauptfach.
Typische Notenskala und Grenzwerte
- ab 90 Prozent der Punkte: Note 1,0 bis 1,3 (sehr gut)
- ab 75 Prozent: Note 1,7 bis 2,3 (gut)
- ab 60 Prozent: Note 2,7 bis 3,3 (befriedigend)
- ab 50 Prozent: Note 3,7 bis 4,0 (ausreichend, in der Regel bestanden)
- unter 50 Prozent: Note 4,3 oder schlechter (nicht bestanden)
Rechenbeispiel
Angenommen, eine Bewerberin erreicht im Hauptfach 85 Prozent, in Musiktheorie 70 Prozent, in Gehörbildung 60 Prozent und im Nebenfach Klavier 75 Prozent. Mit der oben genannten Gewichtung ergibt sich folgende Rechnung:
- Hauptfach: 1,7 mal 0,5 ergibt 0,85
- Musiktheorie: 2,7 mal 0,2 ergibt 0,54
- Gehörbildung: 3,0 mal 0,2 ergibt 0,60
- Nebenfach Klavier: 2,3 mal 0,1 ergibt 0,23
- Summe: 2,22, gerundet eine Gesamtnote von 2,2
FAQ: Notenberechnung, Grenzwerte und Rundung
Ab wie vielen Prozent ist die Prüfung bestanden?+
Üblich ist eine Grenze von 50 Prozent der erreichbaren Gesamtpunkte. Einige Hochschulen setzen die Grenze auf 60 Prozent oder verlangen zusätzlich, dass im Hauptfach mindestens die Note 4,0 erreicht wird.
Wie werden Prozentwerte in Noten umgerechnet?+
Häufig gilt: 100 bis 95 Prozent ergibt 1,0, 94 bis 90 Prozent ergibt 1,3, 89 bis 85 Prozent ergibt 1,7, 84 bis 80 Prozent ergibt 2,0 und so weiter in Schritten von rund fünf Prozent. Die genauen Stufen legt jede Hochschule eigenständig fest.
Wie wird die Gesamtnote gerundet?+
Üblich ist eine Rundung auf eine Nachkommastelle nach mathematischen Regeln: ab 0,05 wird aufgerundet, darunter abgerundet. Eine Gesamtnote von 2,24 wird also zu 2,2, eine von 2,25 zu 2,3.
Welche Zwischennoten sind erlaubt?+
Verwendet werden in der Regel die Stufen 1,0, 1,3, 1,7, 2,0, 2,3, 2,7, 3,0, 3,3, 3,7, 4,0 und ab 4,3 nicht bestanden. Die Noten 0,7, 4,7 und 5,3 sind nicht vorgesehen.
Was passiert bei knapp verfehlten Grenzwerten?+
Eine Gesamtnote von 4,05 wird rechnerisch zu 4,1 und gilt als nicht bestanden. Ein knappes Ergebnis lässt sich nur durch tatsächliche Punkte verbessern, nicht durch wohlwollende Rundung. Manche Hochschulen sehen jedoch eine mündliche Nachprüfung vor.
Wirken sich Mindestnoten in Teilbereichen aus?+
Ja. Liegt eine Teilnote unter der festgelegten Mindestgrenze, etwa 4,3 im Hauptfach, gilt die Prüfung in vielen Ordnungen unabhängig von der rechnerischen Gesamtnote als nicht bestanden.
Wie wirkt sich die Gewichtung konkret aus?+
Die Teilnoten werden mit ihrem Faktor multipliziert und anschließend addiert. Bei einer Gewichtung von 50 Prozent Hauptfach, 20 Prozent Theorie, 20 Prozent Gehörbildung und 10 Prozent Nebenfach zählt eine bessere Hauptfachnote rechnerisch fünfmal so stark wie eine bessere Nebenfachnote.
Sind die Noten der Eignungsprüfung für die Studienzulassung relevant?+
An vielen Hochschulen entscheidet die Gesamtnote über die Reihenfolge bei der Vergabe der Studienplätze. An anderen genügt das Bestehen, und Studienplätze werden in der Reihenfolge der Anmeldung oder nach weiteren Kriterien vergeben.
Vorbereitung
- regelmäßiger Unterricht im Hauptfach mit Prüfungsperspektive
- strukturierte Arbeit an Musiktheorie und Gehörbildung, idealerweise mit fachkundiger Begleitung
- Probevorspiele in gewohnter und ungewohnter Umgebung
- Studieninformationstage der Hochschulen besuchen
Häufige Fehler
- zu spätes Anfangen mit der gezielten Vorbereitung
- Programmwahl ohne Rücksprache mit erfahrenen Lehrkräften
- Theorie und Gehörbildung unterschätzen
- keine Probesituationen unter Stress üben